Holzmühle - Christliche Suchthilfe e.V.

  

 

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„Wenn Du einem geretteten Trinker begegnest, dann begegnest Du einem Helden. Es lauert in ihm schlafend der Todfeind. Er bleibt behaftet mit seiner Schwäche und setzt seinen Weg fort durch eine Welt der Trinkunsitten, in einer Umgebung, die ihn nicht versteht, in einer Gesellschaft, die sich berechtigt hält, in jämmerlicher Unwissenheit auf ihn herabzuschauen, als auf einen Menschen zweiter Klasse, weil er es wagt, gegen den Alkoholstrom zu schwimmen. Du sollst wissen: Er ist ein Mensch erster Klasse!“ (Friedrich von Bodelschwingh)

Hier einige Erfahrungsberichte von Klienten bzw. Ehemaligen:

Sascha: Meine Zeit in der Holzmühle (gekürzte Fassung)

In die Holzmühle kam ich am 05. Oktober 2009. Zu diesem Zeitpunkt war ich sehr geprägt von mangelndem Selbstbewusstsein, übertriebener Selbstkontrolle, Beziehungsängsten, stetigen Harmoniebedürfnis um Konflikte zu vermeiden, hatte viel zu hohe Zielsetzungen, einen ausgeprägten Perfektionismus und ich habe meine Gedanken und Gefühle gegenüber anderen verschlossen. Auch  der Sinn, wie auch der Wert des Lebens, waren mir bis dato verschlossen geblieben. Mitten im Leben stand ich nicht immer und verstanden habe ich es erst recht nicht. Lebenssinn und Lebenswerte, für mich fremde Welten, obwohl ich stetig mir zu erklären versuchte, warum alles so ist, wie es ist. Ein Kopfmensch halt. Das ich heute diese Zeilen schreiben darf, ist ein göttliches Geschenk, welches ich erst erkannte nachdem ich 15 Jahre lang meine Freiheit und Unabhängigkeit mit Hilfe von Drogen und Alkohol in einem exzessiven Leben gesucht habe.

Bevor ich mich für eine Nachsorge in Form einer christlichen Lebensgemeinschaft entschied, trugen mich die ersten Schritte zurück ins Leben durch eine 2 wöchige Entgiftung in Hildburghausen und in eine Langzeittherapie von 3 Monaten in der Klosterwaldklinik in Bad Klosterlausnitz. In dieser Zeit entschied ich mich, anschließend meiner Langzeittherapie in eine Nachsorgeeinrichtung zu gehen, um meinem Abstinenzwillen ein festeres Fundament zu geben. Ich war mir dessen bewusst, dass mir die Zeit in der Klinik zwar das Verständnis der Sucht näher brachte, aber es in keinsterweise dazu ausreichen würde, längerfristig im alltäglichen Leben abstinent zu bleiben. Immer noch hatte ich den Sinn meines Daseins nicht verstanden. Meine Geschichte wurde oberflächlich angekratzt, jedoch warum mir das Licht im Leben fehlte wurde mir nicht bewusst. Es konnte nicht alles erklären, weil mein Vater Alkoholiker ist und meine Kindheit und Erziehung durch familiäre Diskrepanzen aus der Bahn lief. Sollte das alles sein, warum ich heute suchtkrank bin, mich anders fühle als andere Menschen? Ich wollte mehr Zeit investieren in meine Selbstfindung, weil ich noch einen Absturz nicht erleben wollte und ich wusste, dass ich keine Kraft mehr besaß um noch einmal aufzustehen. Ich wollte wissen wer ich bin, warum ich bin und vor allem wohin ich kommen kann im Leben. Andere Menschen lebten doch auch und ...lachten.

Schritt für Schritt, dass heißt Fortschritte, wie auch Rückschritte, brachten mir in den folgenden Monaten die ganze Tiefe und Schönheit des Daseins näher. Durch das Leben in der Gemeinschaft lernte ich die Wichtigkeit von Kommunikation, Konfliktlösungen, das Pflegen von Beziehungen, den Lebenswert und all die kleinen Geschenke des Lebens kennen. Durch die Einzelgespräche wurden meine Vergangenheit aufgearbeitet, Befindlichkeiten nachgegangen, alte Verhaltensweisen analysiert und der Weg in die Zukunft erarbeitet. Im Laufe der Zeit öffnete ich mich immer mehr der Bezugstherapeutin und es baute sich ein gegenseitiges Vertrauensverhältnis auf, was es ermöglichte meine eigene Fassade fallen zu lassen und somit mir wiederum die Möglichkeit gab auf meine inneren Wunden und meiner Seelenheilung einen Blick zu werfen. Es ging nicht nur darum Dinge zu bereinigen und aus  der Welt zu schaffen, sondern anzugehen und zu verändern... und es wird immer ein harter Weg zu seiner eigenen Zufriedenheit sein. Die wichtigste Erkenntnis meiner Therapiezeit ist, dass wir meist am Streben nach dem Glück scheitern und daran untergehen es zu erreichen. Denn das größte ist die Zufriedenheit mit dem was man hat. Denn erst der ganze Rest der noch hinzu kommt sind Geschenke Gottes und deiner selbst.

Eines der größten Geschenke welches ich in der Holzmühle bekam, war die Begegnung mit Gott. Lange Zeit habe ich den Predigten in den sonntäglichen Gottesdiensten gelauscht und habe versucht sie in meinem Alltag umzusetzen und ich habe immer mehr erfahren dürfen wie erfüllend sich jeder einzelne Tag dadurch gestalten kann, allein schon mit ganz kleinen Dingen. Es war für mich ein großes Übungsfeld die Kontrolle loszulassen und Dinge auch einmal geschehen lassen zu können, nicht alles in eine Richtung planend, eröffnen sich ganz neue Wege und Möglichkeiten, die einen soviel Tiefe erleben lassen und Platz für neue Werte im Leben geben können. Ich durfte erfahren, dass die Selbstakzeptanz nicht nur der Schlüssel zu sich selbst ist, sondern es auch zu Jesus sein kann. Mir einzugestehen, dass ich letztendlich versagt habe, im Versuch meine Freiheit allein zu schaffen und ohne Grenzen leben zu wollen. Ich habe nicht versagt in dem Sinne, dass ich verloren habe, denn wirklich habe ich an Erfahrungen gewonnen, nur sind mir die wahren Ziele aus dem Blickwinkel geschwommen. Denn wir können erst wirklich erfahren was Freiheit ist, wenn wir unsere eigenen Grenzen kennen, diese akzeptieren und sie in unserem Leben zu berücksichtigen lernen. Denn nicht die Grenzen sind es die uns von der Freiheit trennen, sondern die Ignoranz unserer eigenen Fehler.

Am 30. September 2011 endete meine Therapiezeit in der Holzmühle. Die Holzmühle war für mich nicht nur ein  Wendepunkt, sondern eine Tür in ein neues Leben. Ein Leben mit Tiefe, Klarheit, Verständnis, Werten, Sinn. Ich kann mich heute lieben und akzeptieren. Ich gehe meinen weiteren Weg mit der Sucht, ich werde keinen Kampf gegen sie ausstehen. Denn ich habe sie verstanden und weiß selbst welche Löcher sie füllen wollte, ich habe sie akzeptiert, aber ich entscheide wie ich meine dunklen Löcher mit Licht fülle. Ich werde mit der Sucht leben, aber sie wird mich nicht bestimmen...

 

Ich danke allen Therapeuten, Klienten, der Gemeinden aus dem Lutherhaus Jena + Schkölen, wie auch meinen neu gewonnenen Freunden und all den Menschen die mich begleitet und weiterhin begleiten werden.

Danke für die intensive Zeit in der Holzmühle.

 

Dank an Gott und seine Engel:    „Nichts hat mich so sehr bewegt wie die Erfahrung, dass Gottes Gabe, mich zu bewegen und zu zeigen dass er bei mir ist, endlich in meinem Herzen angekommen ist. Seine Botschaft hat mich erreicht, durch meinen Vorschuss an Vertrauen zu ihm und durch Engel, die er mir sandte, wurden die Ketten meines Herzens gesprengt und endlich empfänglich gemacht für die Liebe, für das Wort Gottes und den wahren Wert des Lebens.“     ...nun gehe ich meinen Weg mit ihm bis hin zur Ewigkeit und bis zu meinem Ziel kann auch ich diese Botschaft weitertragen.

 

Bad Köstritz, der 04. Oktober 2011

 

Hier ein bewegender Bericht, den ein Ehemaliger Bewohner auf seinem Krankenhausbett (Lungenkrankheit) ca. 2 Jahre nach erfolgreicher Therapie und wenige Monate vor seinem Tod verfasste.

„Mein Name ist Harald, 50 Jahre alt. Bin seit meinem 20. Lebensjahr mit dem Alkohol in Berührung. Ich war ein sehr starker Alkoholiker, habe getrunken, was eben Umdrehungen hatte und was beruhigte. Ich war voll dem Alk verfallen. Habe daher nicht gemerkt, wie sich um mich herum alles von mir absonderte. Man selbst als Betroffener bekommt es teilweise gar nicht mehr mit - oder wenn, dann nimmt man es eben einfach alles gelassen hin und macht sich keine Sorgen drum. Die Schuld sucht man immer bei anderen, nur nicht bei sich. Aber das begreift man ja nicht, erst wenn es zu spät ist. Aber dann muss man eben den Absprung schaffen und das ist schwer.

Ich hatte 1984/85 eine klinische Behandlung, war auch eine Zeit trocken. Hinzu bekam ich seit Mitte der 80er Jahre noch eine chronische Bronchitis mit einem sehr ausgeprägten Emphysem, an dem ich bis heute sehr leide und das sich zu einer unheilbaren Krankheit ausgeprägt hat. 1989 war alles aus und vorbei, da kam der große Reinfall und totale Zusammenbruch. Es ging nun eigentlich nur noch bergab und das Schlimme an der Sache war, ich machte mir nichts mehr daraus. Das ging so hin bis in den März 1996, dann wurden die Behörden auf mich aufmerksam.

Im September 1996 bekam ich dann ein Alkoholdelirium und bin zusammengebrochen. Ja, dann ging in mir etwas Seltsames vonstatten. In mir kam das Verlangen nach Gott auf, ich sagte dann so vor mich hin: 'Herr, wenn es dich wirklich gibt, dann komm und nimm dich meiner an und helfe mir.' Und das Gefühl habe ich bis heute, dass ‚Du, Herr; mich erhört hast’. Ich weiß nun auch, dies hätte ich nicht allein geschafft. Beim Zurückschauen merke ich, dass ich dieser Hilfe zunächst sehr skeptisch gegenüberstand, später dann wurde mir es immer bewusster und klarer. Nun kam ein Abschnitt in meinem Leben, der für mich eine große Rolle gespielt hat. Die Wurzeln zu dem, was ich jetzt bin, liegen bei den Therapeuten in der Holzmühle, bei mir und in Gottes Hand, der mir die Kraft dafür gab, gibt und auch weiterhin geben wird. Auch mein weiteres Leben nach der Mühle verläuft in geordneten Verhältnissen.

Mir war von vornherein klar, warum ich in die Holzmühle gegangen bin und was ich dort wollte: Ich wollte vom Alk weg!! Als ich aber das erste Mal dort mit in die Kirche musste, da sträubte sich alles in mir. Aber genau so schnell wie sich das in mir sträubte, legte sich das auch wieder. Ich begann mich auf einmal für das Christentum zu interessieren und vor allem fand ich eins für mich heraus, was mich auch weiter beschäftigte: Eine sehr große Rolle spielt es für einen Alkoholiker, das große Loch, das nun durch den plötzlichen Wegfall des Alks entsteht, sinnvoll auszufüllen. Bei mir war es eben der Glaube. Dies kam dann Woche für Woche stärker zum Vorschein. Ja, es kam dann in kurzer Zeit soweit, dass in mir der Drang nach geistlichem Leben erwachte. Das bereue ich bis heute nicht und dafür bin ich dankbar. Habe mir ein christliches Leben aufgebaut und auch einen guten Freundeskreis aus gläubigen und guten Freunden gefunden.  Meine Meinung ist, ein jeder Alkoholiker ist ein Mensch wie jeder andere auch. Er ist Arzt, Therapeut und Mensch in einem und sein eigener Herr. Es gibt nur einen Herrn über all denen, das ist Gott. Denn er ist gütig und hat mir die Kraft für mein nicht leichtes Leben gegeben und wird es weiterhin tun.“ Gruß Harald

Anmerkung: Diesen Bericht verfasste Harald am 11.11.2001 in einem Jenaer Krankenhaus. Die Spuren seiner Lungenkrankheit wurde er nicht mehr los. Nach mehreren Klinikaufenthalten und vergeblichen Anläufen erhielt er eine Lungentransplantation, die er jedoch nur wenige Monate überlebte. Er verstarb im Frühjahr 2002, nachdem er während seiner langen Krankenhausaufenthalte immer wieder seine Mitpatienten getröstet und ihnen Hoffnung vermittelt hat.