Neue Arbeit für Mühlheim

Institut für Neue Arbeit

Wege aus der Krise der Arbeit

... und anderswo

 

 

Die Vision der YABO-FarmerInnen : Die Stadt urbar machen.

aus Koelner Volksblatt - Februar 97,
von AKEMINE Tetsuo, Mitbegründer der Gruppe YABO-FarmerInnen

Die Hauptstadt Japans, das ist die gigantische Metropole Tokio. In Richtung Westen, etwa dreißig Kilometer Luftlinie entfernt von den Zentren, liegt die Vorstadt Hino mit ihren annähernd 170 000 EinwohnerInnen. Die von den YABO-FarmerInnen bearbeiteten Anbauflächen liegen in einem abgelegenen Winkel der Vorstadt HIno, am TAMAGAWA-Fluß, der als der große Fluß von Tokio die gesamte Metropole durchquert. Die Anbauflächen umfassen 30 ar. Davon werden ca.10 ar als Naßreisfelder zum Anbau des traditionellen japanischen Hauptnahrungsmittels Reis genutzt. Die restlichen Felder dienen dem Acker-und Feldbau.

Eine Gruppe von bis zu 15 Stadtfamilien bearbeitet diese Flächen. Das Land wurde von ortsansässigen Bauern gepachtet. Der Name der Gruppe bedeutet auf deutsch:"auf den Feldern lebend.". Die Mitglieder wollen damit zum Ausdruck bringen, daß sie, obwohl sie in der Großstadt leben, von ihrer Einstellung her ein Leben wie auf dem Land führen möchten.

Der von den YABO-FarmerInnen betriebene Landbau wird gemeinschaftlich betrieben, d.h. der Ernteertrag wird unter allen Gruppenmitgliedern aufgeteilt. Die Anwendung der ökologischen Anbaumethode bedeutet, daß keinerlei Kunstdünger und Agrarchemikalien eingesetzt werden. Während des laufenden Jahres werden bis zu 50 verschiedene Feldfrüchte angebaut. Beim Gemüse, den wichtigsten Gewürzpflanzen und beim Miso(Soyapaste), welches aus Soyabohnen gewonnen wird, ist die Selbstversorgung zu fast 100% erreicht worden. Beim Reis liegt sie bei ann hernd 40%. Von allen Familienmitgliedern der Gruppe werden Küchenreste, abgefallenes Laub von Straßenbäumen und den nahegelegenen Forsten eingesammelt und zusammen mit Reisstroh aufgeschichtet zu Kompost verarbeitet. Darüber hinaus wird von dem einzigen Milchbauern der Stadt HINO, der noch übriggeblieben ist, Kuhmist geholt. Auf diese Weise zeigt das Modell der YABO-FarmerInnen , daß es auch für Menschen, die in der Stadt leben, müglich ist, Selbstversorgung zu verwirklichen, und daß somit die Chance besteht, Landanbau in der Großstadt zum Mittelpunkt des eigenen Lebens werden zu lassen.

Die YABO-FarmerInnen beschränken sich aber nicht nur auf den gemeinschaftlich betriebenen Landanbau, sondern es werden auch Kleidungsstücke und Gebrauchtmöbel der Wiederverwertung zugeführt. Die YABO-FarmerInnen besch ftigen sich zudem mit Kindererziehung, Gesundheitsvorsorge, sowie allgemeinen Umwelt-und Stadtentwicklungsfragen. Alles Themen, die auf gemeinsamen Treffen behandelt werden.Die Aktivitäten der YABO-FarmerInnen basieren auf der grundlegenden Idee des gemeinschaftlich betriebenen Landbaus. Kurzum: verschiedenste Lebensbereiche werden durch gegenseitige Hilfestellung gemeinsam bewältigt und die YABO-FarmerInnen bilden gleichzeitig eine Kooperative. Die bei den YABO-FarmerInnen vertretenen Alters-und Berufsgruppen halten es auch für denkbar, daß in derartigen Gruppen die Großfamilien, die derzeit in den Großstädten Japans allenthalben in einem erschreckenden Tempo auseinanderfallen, wieder zu neuem Leben erweckt werden könnten.

AKEMINE Tetsuo: Die Großstadt aufloesen

Die Großstadt ist existentiell unfähig zur Autonomie. Sie ist nicht in der Lage, sich selbständig mit Energie und Lebensmitteln zu versorgen, geschweige denn die von ihr produzierten riesigen Müllmengen zu entsorgen. Die Großstadt eignet sich die für sie notwendigen Dinge von außerhalb an, und diejenigen Dinge, die sie als nicht notwendig erachtet, drängt sie nach außen ab und ermöglicht und verlängert derart ihre parasitäre Existenz.

Die Auflösung der Großstädte bedeutet, daß sie ihre Autonomie zurückgewinnen kÂnnen, und daß die in ihnen lebenden Menschen in die Lage versetzt werden, ihr Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen. Eingefangen und unzingelt vom Konsumsystem des "IMMER MEHR PRODUZIEREN, IMMER MEHR KONSUMIEREN UND MIT ALLEN DINGEN VERSORGT WERDEN", wagen es dennoch Menschen, aus diesem Teufelskreis wenigstens ein Stück weit auszubrechen. Sie versuchen, mit ihren eigenen Händen Lebensmittel zu produzieren und den eigenen Energieverbrauch sowie den von ihnen produzierten Müll auf ein Mindestmaß zu verringern. Unter den BewohnerInnen von Tokio haben sich zahlreiche Aktivistengruppen gebildet, die gegen den Bau von Atomkraftwerken kämpfen und sich mit dem organischen Landbau besch ftigen. Vermehrt verlassen Menschen die Metropole Tokio und versuchen, nachdem sie ihren Arbeitsplatz aufgegeben haben und in die Provinz √bergesiedelt sind, Landwirtschaft zu praktizieren.

Aber der Versuch und der Wunsch, innerhalb der Großstadt oder in der Provinz sich selber mit Lebensmitteln zu versorgen, ist ein schwieriges und langwieriges Unterfangen. Die modernen Stadtmenschen haben die für die Subsistenz notwendigen Techniken und körperlichen Fähigkeiten verlernt. In den Großstädten gibt es auch nicht die Möglichkeiten, sie sich anzueignen. Und gerade deshalb besteht bei vielen Großstadtmenschen gegenw rtig der Wunsch nach praktischen Realisierungsmöglichkeiten, um einen "ökologischen Lebensstil" zu erlernen. Der Modellversuch der YABO-FarmerInnen kÂnnte für solche StadtbewohnerInnen ein sinnvolles Angebot, d.h. eine sinnvolle "Lernwerkstatt" sein.

VERANSTALTUNG

Von den Erfahrungen der YABO-FarmerInnen berichtet deren Mitbegründer, Akemine Tetsuo am Donnerstag 13. März um 19.30

im "Institut für Neue Arbeit" beim SSM in der Düsseldorfer Str.74 in Köln-Mölheim
Eintritt: DM 5.-

Interessant ist dieser Vortrag für alle, die in Köln und anderswo der immer weiter fortschreitenden Zerstückelung und Zerstörung aller irgenwie verbliebenen Freiflächen nicht tatenlos zusehen wollen, wie z.B. die Initiative "Gut Mielenforst".

 

 

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