Australische Flagge  The Australian Experience: Flagge Westaustraliens
 
 



Bericht von einer außergewöhnlichen Fortbildung



Vom 9. Juli bis zum 3. August 2001 nahmen 19 Thüringer Englischlehrerinnen und -lehrer am ThILLM-Außenlehrgang Nr. 125306 teil. Hinter dieser nüchternen Angabe verbirgt sich ein großartiges Abenteuer, eben The Australian Experience.

Ein besonderer Dank sei an erster Stelle unserem Kursleiter Carsten Kruse, Englischlehrer an der Neulandschule (14. Staatliche Regelschule) Gera, gezollt werden, ohne dessen Vorbereitungsarbeit dieser Kurs nicht möglich gewesen wäre. Da er zudem bereits vier Wochen Australien bereist hatte, kannte er Land und Leute recht gut und ermöglichte uns auch Blickpunkte abseits dessen, was der normale Besucher sieht.

Zur Vorbereitung trafen wir uns am 17.3.2001 in Bad Berka, wo uns zunächst Frau Helga Dreher vom ThILLM, der für ihre Arbeit an dieser Stelle herzlich gedankt sei, begrüßte und mit ersten Informationen versorgte. Nach einer kurzen Einführung über Australien und besonders den Bundesstaat Western Australia und einer Fülle von organisatorischen Hinweisen hatten wir Gelegenheit, uns gegenseitig genauer kennenzulernen und bereits erste Absprachen zu treffen.

Am Morgen des 9. Juli ging es dann los: wir trafen uns am Erfurter Hauptbahnhof und fuhren mit dem Intercity nach Frankfurt am Main, von dort zum Flughafen und checkten uns ein. Nach einem ca. zwölfstündigem Flug machten wir zunächst eine Zwischenlandung in Kuala Lumpur (vier Stunden) und kamen nach einem weiteren, ca. fünfstündigem Flug endlich in Perth an. Dort wurde uns die Ankunft gleich durch die Beamten der Einwanderungsbehörde versüßt, die meinten, dass wir mit unserem Englisch doch gar keine Sprachkurse mehr nötig hätten.

Am Flughafeneingang erwartete uns Herr Kruse und nach einer Busfahrt vom ca. 45 Minuten kamen wir gegen 16 Uhr Ortszeit vor dem International English Centre der Edith Cowan University an und wurden von unseren Gast"eltern" in Empfang genommen. Die meisten von uns mussten zwar früh und abends 20-30 Minuten vom IEC zum Quartier fahren, aber dies wurde durch die Gastfreundschaft und vor allem die Möglichkeit, "Tag und Nacht" Kenntnisse über die australische Lebensweise und das (australische) Englisch aufzusaugen, mehr als wettgemacht.

Dieses Foto zeigt unsere Gruppe vor dem International English Centre: Gruppe vor dem IEC

Der erste Tag am IEC begann mit einem Sprachtest. Anschließend machte uns Gillian Taylor, die für die organisatorischen Fragen verantwortlich war, mit dem Claremont Campus vertraut. Am Nachmittag führte uns Doug durch den Stadtteil Claremont und gab uns eine Reihe wichtiger Tips, z.B. für die Benutzung der Busse und der S-Bahnlinien von TransPerth.

Am 12.7.. ging dann der "normale" Unterricht los, den Felicity und Deirdre hielten.
Wir beschäftigten uns neben der Sprache (Lexik, Grammatik) vor allem mit vielfältigen Aspekten des interkulturellen Lernens. Eine kleine Übersicht der besprochenen Themen:

Diese Unterrichtsstunden fanden jeweils wochentags am Vormittag statt und die Zeit reichte eigentlich fast nie aus... Andererseits war unser Programm an den Nachmittagen proppevoll: wir nutzen viele Gelegenheiten, vielfältigste Kenntnisse über Australien und insbesondere Westaustralien aufzusaugen. Dazu dienten zum einen viele geführte Touren und Exkursionen, aber auch Möglichkeiten, selbständig auf Suche zu gehen.

Am Nachmittag des 12.7. führte uns unser Gruppenleiter Carsten durch Perth CBD (Central Business District = City Centre). Die folgenden Fotos sollen einige Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt Westaustraliens mit ihren 1.7 Millionen Einwohnern illustrieren.

Das Rathaus von Perth ist in der Hay Street gelegen und spiegelt sich wundervoll in der Fensterfront des Hoyt's Cinema:
Perth City Hall (Tower)
 

London Court, eine Shopping Mall im Stil der Tudorarchitektur, ist ein beliebtes Fotomotiv: London Court

Die Skyline von Perth ist sowohl bei Tag wie auch bei Nacht wunderschön, wie diese Bilder, von Kings Park (größter Park auf der Südhalbkugel der Erde) aus aufgenommen, zeigen:

Perth Skyline am Tag

Perth Skyline bei Nacht


 


Am Freitag (dem 13.!) zeigte uns Doug nach dem Unterricht die schöne Hafenstadt Fremantle, die mittlerweile mit Perth zusammengewachsen ist und vor allem durch ihr vielfältiges kulturelles Leben und die herrlichen Bauten aus der kolonialen Zeit beeindruckt: In Fremantle
Besonders beeindruckend war der Besuch des Maritime Museum. Das folgende Bild zeigt unsere Gruppe vor dem "Round House", einem der ältesten Gebäude Fremantles, direkt am Meer gelegen:

Gruppe vor dem Round House

Am Sonnabend, dem 14.7. fuhren wir, geleitet von Mark Costa nach Rottnest Island, welches ca. 18 km von der Küste entfernt liegt und vor allem im Sommer ein sehr beliebtes Erholungsziel der Großstädter ist. Das folgende Bild soll eine gewisse Vorstellung der landschaftlichen Schönheiten vermitteln:

Leuchturm bei Lakehurst Point auf Rottnest Island
Sehr beeindruckt waren wir von den Buckelwalen, die an der Insel vorbeizogen, aber auch von den Quokkas, kleinen Beuteltieren, die nur (noch) auf Rottnest Island wohnen.

Am Sonntag ging es vom Barrack Street Jetty, direkt neben dem imposanten Swan Bell Tower: Swan Bell Tower auf eine River Cruise nach Fremantle,
wo wir das Fremantle Prison: Fremantle Prison, Haupteingang besichtigten. Dabei erfuhren wir eine Vielzahl von Informationen über dieses für die australische Geschichte so bedeutsame Kapitel.

Am 17.7. besuchten wir den Caversham Wildlife Park, in dem wir unsere bis dahin im Unterricht erworbenen theoretischen Kenntnisse über die Flora und Fauna Australiens vertiefen konnten. Höhepunkt war natürlich die Möglichkeit, Koalas zu streicheln.

Am 19.7. besuchten wir die Tumbulgum Farm. Dort lernten wir nicht nur viel über die Schafzucht, die ein wichtiger Industriezweig Australiens war und ist, sondern auch über die Lebensweise der Sheep Shearers und der Menschen auf den Stations. Desweiteren wurden uns aber auch interessante Einblicke in Aspekte des Lebens der Aboriginal People ermöglicht. Das folgende Bild zeigt einen Didgeridoo-Spieler:

Aboriginal spielt auf dem Didgeridoo

Einer der absoluten Höhepunkte unserer Australian Experience war die Exkursion in den Süden, die uns nach Margaret River führte. Australien ist riesig und somit muss man lange Distanzen zurücklegen; z.T. auf unasphaltierten Gravel Roads, die über Kilometer hinweg schnurgerade verlaufen: Endlose Gravel Road...

Nach stundenlanger Fahrt besichtigten wir zunächst die "Lake Cave"-Höhle, die spektakulär tief gelegen ist und über eine reichhaltige natürliche Farbenpracht verfügt: Lake Cave-Höhle

Eine Merkregel lernten wir: Stalagtites cling tight to the ceiling and stalagmites might reach it one day.
Danach ging es zum berühmten Leeuwin [lu:in] Wine Estate, auf dem oft Konzerte stattfinden. Wir übernachteten im Canal Rocks Resort in Yallingup, nicht ohne endlich ein zünftiges "barbie" (Barbecue) gemacht zu haben.
Am Sonntag führten wir eine (ökologische!) "Bush Tucker Tour" durch, bei der wir ein wenig Ahnung davon erschnupperten, wie schwer es ist, die unberührte Wildnis Australiens zu erleben und zu erhalten. Wir fuhren Kanu, besichtigten eine weitere Höhle, kletterten und wanderten und lernten von unserer Tour Guide Smiley schließlich, welche Pflanzen und Tiere (u.a. Würmer, lecker...) die Aboriginal People nutz(t)en, um sich "Bush Tucker" zuzubereiten: Bush Tucker - yumm!
Das folgende Bild zeigt unsere Gruppe direkt nach dem Bush Tucker. Nebenbei sei gesagt, dass wir mit dem Wetter (in Australien herrschte ja Winter) sehr großes Glück hatten, wie man auch hier sehen kann:

ThILLM-Gruppe nahe Yallingup Beach

Erschöpft, aber angefüllt mit Eindrücken, fuhren wir (wieder hunderte Kilometer) zurück nach Perth.
Nachdem wir am Tag zuvor bereits Aboriginal Food kennengelernt hatten, erhielten wir am Montag im Unterricht die Möglichkeit, die Aboriginal-Künstlerin Robyn Madaterri in ihrer Kunstgalerie "Wild Honey" zu treffen und von ihr Informationen aus erster Hand über die Kunst und das Leben der Aboriginal People zu erhalten.

Am 24.7. besichtigten wir nach dem Unterricht den Kings Park. Diese über 400 Hektar große Anlage bietet der Bevölkerung Perths vielfältige Möglichkeiten der Erholung. Besonders interessant für uns war, dass große Teile des Park mehr oder minder naturbelassen sind und somit auch Städtern ermöglichen, sich "wie bei Mutter Natur" zu fühlen:

Kings Park

Der Park ist Heimat für ca. 250 Pflanzen- und ca. 100 Tierarten. Der Anblick ist besonders im Frühjahr schön (dann herrscht in Europa Herbst!), wenn er sich in ein farbenprächtiges Blütenmeer verwandelt. Nicht umsonst gilt Westaustralien als der Blumengarten von Down Under.

Nachdem wir bereits an den Vortagen umfangreiche Informationen über das australische Schulwesen erhalten hatten, konnten wir "endlich" am 25.7. eine Schule besuchen - die Rossmoyne Senior High School. (Zwei Tage vorher, am Montag waren die Winterferien zu Ende gegangen...) Wir konnten uns über das Lehrprogramm und die zahlreichen außerunterrichtlichen Aktivitäten, z.B. Schulorchester, Chöre, Sportmannschaften, informieren. Interessant war auch, dass diese Schule ein umfangreiches LOTE (Languages other than English)-Programm bietet, u.a. wurden wir auf Deutsch begrüßt. Die Ausstattung (fünf große moderne Computerkabinette, ein eigenes Sportfeld, ein Schwimmbecken, eine große Bibliothek etc) hat uns sehr beeindruckt und Wünsche für zu Hause aufkommen lassen...

Am 36.7. besuchten wir nach dem Unterricht die Perth Mint, die älteste Münzprägestätte Australiens. Hier erfährt man viel über Gold und Goldbergbau, der wesentlich zur Erschließung Australiens vor ca. 100 Jahren beitrug. Schauskulptur eines Goldgräbercamps

Am Sonnabend, dem 28.7. ging es mit zwei 4WD-Bussen zu den Pinnacles im Nambung National Park nördlich von Perth. Die Pinnacles sind Felsnadeln, die in Millionen von Jahren durch Erosion entstanden und einen unwirklichen, marshaften Landschaftseindruck vermitteln: Pinnacles

Die Fahrt vermittelte uns neben Einblicken in die Landschaften weitere, tiefgehende Informationen über die Flora und Fauna Australiens und wir sahen u.a. auch endlich Road Trains, die berühmten langen LKWs mit zwei oder drei riesigen Anhängern.
Der Sonntag diente vielen zur Erholung oder auch zum Besuch von Sehenswürdigkeiten, Theaterstücken oder auch Museen. Eine seltene Gelegenheit bot u.a. die Western Australia Art Gallery, in der die Ausstellung "Monet and Japan" zu sehen war.

Am 31.7. besuchten wir das Parlament Westaustraliens Parlament von Westaustralien und erhielten neben Informationen über das parlamentarische System (West)Australiens und den Bau des Hohen Hauses auch unmittelbaren Einblick in die Gepflogenheiten, als wir eine Stunde lang live die Fragestunde (question time) besuchen konnten. (Unsere Schüler hätten für so viel Schwatzen und  Zwischenrufe und das Lesen von anderen Dingen (u.a. Zeitungen) zwar einige Bemerkungen zu hören bekommen, aber das parlamentarische Leben ist halt anders...)

Am 1.8. trafen wir uns zum letzten Male am IEC, hatten unsere letzten Unterrichtsstunden und erhielten dann beim Farewell Lunch unsere Certificates aus den Händen des Institutsdirektors Lew Temov und nahmen Abschied von unseren liebgewordenen Freunden Gillian, Felicity, Deirdre, Doug und Mark.

Am folgenden Tag packten wir am Vormittag unsere Koffer, verabschiedeten uns von unseren Gast"eltern", die wir mittlerweile sehr ins Herz geschlossen hatten (und umgekehrt) und verließen um 16:30 Uhr von Perth International Airport aus Australien. Nach einem kurzen Zwischenstop in Kuala Lumpur trafen wir am Morgen des 3.8. um 5:40 Uhr erschöpft und übernächtigt, aber angefüllt mit Wissen, Können und Eindrücken (und vielen Mitbringseln, die uns an der Waage beim Einchecken so manches Bangen einbrachten) den Flughafen Frankfurt/Main. Von dort aus fuhren wir dann mit dem ICE nach Erfurt zurück.

Diese Veranstaltung war eine unbedingt weiterempfehlenswerte Bereicherung für Englischlehrer an Regelschulen (bzw. Regelschulzweigen), Berufsschulen und Gymnasien, bei der die Eindrücke, die Erweiterungen des Wortschatzes und der Sprachflüssigkeit und die erworbenen Kenntnisse über Land und Leute einen sehr modernen, handlungsorientierten und interkulturellen Unterricht ermöglichen und so z.B. den zweifelsohne beachtlichen Eigenanteil von über 3500 DM mehr als wettmachen. Mittlerweile wurden durch Kursteilnehmer/innen auch bereits Fortbildungsveranstaltungen zum Thema "Australien" gestaltet.

Neben diesem HTML-Dokument, das u.a. seinen Platz auf der Website des ThILLM finden wird, gab es auch einen Bericht in der Ostthüringer Zeitung OTZ (die anderen Zeitungen druckten den Bericht leider nicht ab) sowie mehrere Berichte. Einer davon ging per E-Mail an Herrn Kultusminister Dr. Krapp. Dass er mit den neuen Medien sehr gut umgehen kann zeigte sich drei Tage später, als er unseren Sommerkurs in einem "Erfurter Gespräch" im "mdr" erwähnte! An dieser Stelle sei auch dem Kultusministerium für die Bereitstellung eines Eigenanteils in Höhe von jeweils 1000 DM pro Teilnehmer recht herzlich gedankt.

Um uns auszutauschen über interkulturelles Lernen, Projektplanungen rund um das Thema Australien, unterrichtspraktische Umsetzungen der Kenntnisse und Materialien und um Hinweise und Anregungen für künftige Studienreisen nach Perth zusammenzutragen, fand vom 14.9 bis 15.9.2001 eine Nachbereitungsveranstaltung beim ThILLM in Bad Berka statt, die durch Frau und Herrn Kruse vorbereitet wurde und eine Fülle von Handmaterialien erbrachte, welche für andere Englischlehrer/innen zur Verfügung gestellt wurden.
 


© Text und Bilder 2001 Carsten Kruse für das ThILLM

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