Vom 31. Juli bis zum 22. August 1999 nahmen 17 Thüringer Englischlehrerinnen und -lehrer am ThILLM-Außenlehrgang Nr. 925320 teil. Hinter dieser nüchternen Angabe verbirgt sich ein großartiges Abenteuer, eben The Canadian Experience.
Ein besonderer Dank muß an erster Stelle unserer Kursleiterin Corina Haude, Englischlehrerin an der Kooperativen Gesamtschule Herzog Ernst in Gotha, gezollt werden, ohne deren aufopferungsvolle Arbeit dieser Kurs nicht ein annähernd so schönes Erlebnis geworden wäre. Da sie zudem bereits ein Jahr lang als Austauschlehrerin in Toronto gearbeitet hatte, kannte sie Land und Leute sehr gut und ermöglichte uns auch Blickpunkte abseits dessen, was der normale Besucher sieht.
Zur Vorbereitung trafen wir uns am 2. Juli 1999 in Gotha, wo wir auch Herrn Wolf-Dieter Wolfram vom ThKM kennenlernten, der sich von oben maßgeblich und über Jahre hinweg für das Zustandekommen einer solchen Verbindung engagiert hatte. Nach einer kurzen Einführung über Canada und besonders die Provinz Ontario und einer Fülle von organisatorischen Hinweisen hatten wir Gelegenheit, uns gegenseitig genauer kennenzulernen und bereits erste Absprachen zu treffen.
Am Morgen des 31. Juli ging es dann los: wir trafen uns um 8 Uhr am Erfurter Hauptbahnhof und fuhren mit dem Intercity nach Frankfurt am Main, von dort zum Flughafen und checkten uns ein. Nach einem ca. achtstündigen Flug machten wir zunächst eine Zwischenlandung in Montreal und kamen zwei Stunden später endlich in Toronto an. Dort wurde uns die Ankunft gleich durch die Beamten der Einwanderungsbehörde versüßt, die meinten, daß wir mit unserem Englisch doch gar keine Sprachkurse mehr nötig hätten.
Am Flughafeneingang erwarteten uns Frau Haude und Herr Bernd Schliephake, der beim Peel District School Board als German Language Consultant tätig ist und nach einer fast einstündigen Busfahrt kamen wir gegen 23 Uhr Ortszeit im Campus der Victoria University (in the University of Toronto) an und bezogen unsere Zimmer; Studentenbuden von denen wir zu DDR-Zeiten geträumt hätten.
Im ersten Bild sieht man das Wohnheim, in dem sich unsere Zimmer
befanden:
Hier sieht man den Speisesaal:
Um sich eine Vorstellung über den Ort zu machen, hier ein Blick
vom CN-Tower. Unsere Unterkunft befand sich rechts neben der
weißen
Kuppel (ROM=Royal Ontario Musuem) im "bewaldeten" Bereich:
Am nächsten Morgen führte uns Corina zunächst mal
durch
Downtown Toronto, wo wir uns u.a. das Eaton Center (eines der
größten
Einkaufszentren Nordamerikas), den BCE Place, das Rathaus oder aber das
Flat Iron besichtigten.
Den restlichen Tag verbrachten wir mit eigenständigen Erkundigungen, z.B. Hafenrundfahrt. Am Abend besuchten die meisten von uns die Caribana, das größte Karibik-Festival in Nordamerika. Auch der nächste Tag gehörte uns, da es ein Feiertag war. Lohnenswerte Ziele waren u.a. Centre Island, Chinatown, eine Hop-on-Hop-off-Tour mit einem Doppeldeckerbus oder aber ein Besuch des Sky Dome, der riesigen Sporthalle mit ihrem beeindruckenden, zurückfahrbaren Dach (über 75.000 Plätze, vornehmlich für Baseballspiele) gleich neben dem CN Tower. Der CN Tower ist übrigens, allen urban legends zum Trotze mit 553.33m immer noch das höchste Gebäude der Welt (und auch der Sky Pod-Aussichtspunkt ist mit 447m noch mächtig hoch).
Hier ein Blick auf die Skyline von Downtown Toronto von Centre
Island
aus:
Am 3.8. besichtigten wir die South..., nein... North Park Secondary School in Brampton. Zwar waren auch in Kanada gerade Ferien, aber dort wurden Sommerkurse abgehalten für Schüler, die in einem ihrer Fächer entweder nicht bestanden hatten oder aber sich eine bessere Note holen wollten. Das war außerordentlich interessant und gewährte uns einen Einblick in das kanadische Schulsystem, da wir nach einer Einführung durch den Direktor mit Lehrern und Schüler sprechen konnten und uns alle Bereiche anschauten.
Danach ging es dann weiter nach St. Jacobs, einer Mennonitensiedlung
nahe Kitchener (ehemals Berlin). Dort wohnen Kanadier
deutsch-niederländischer
Abstammung, deren Lebensweise der der Amish in Pennsylvania
ähnlich
ist. Das folgende Bild zeigt uns einen stilgemäßen
2PS-Touristenbus:
Am 4.8. ging dann der Sprachunterricht los, den Frau Agnes Carlone, selbst Lehrerin und Adult ESL Coordinator am Dufferin Peel Roman Catholic School Board, hielt. Untergebracht waren wir im nahegelegenen Lycée Française. Wir beschäftigten uns sowohl mit der Sprache (Lexik, Grammatik) als auch mit Landeskunde. Eine kleine Übersicht der besprochenen Themen:
- The diversity of Canada - multicultural issues
- Canadian English (vs. BE, English of North America, Canadianisms...) Siehe auch hier
- Canadian culture, famous Canadians
- Native peoples of Canada
- Geographical facts and history of Canada, Quebec
Diese Unterrichtsstunden fanden jeweils wochentags am Vormittag
statt
und die Zeit reichte eigentlich fast nie aus... Andererseits war unser
Programm an den Nachmittagen proppevoll: jede/r nutze möglichst
viele
Gelegenheiten, englische Sprache und Landeskenntnisse in sich
aufzusaugen.
So besuchten wir zum Beispiel am Nachmittag des 5.8. das Parlament von
Ontario (nahe Queens Park) wo dieses Foto entstand:
Am Nachmittag des 6.8. ging es auf eine Führung durch das historische Gelände der University of Toronto, die ja aus etlichen kleineren Universitäten bzw. Colleges gebildet wurde. Am 10.8. gab der Generalkonsul der BR Deutschland einen Empfang für uns, bei dem wir uns ungezwungen mit Vertretern vom Peel Board über unsere Länder, unsere Bildungssysteme und weitere, interessante Themen unterhielten. Eine weitere Möglichkeit zur Konversation bot ein Treffen in einem Pub (Duke of York), bei der wir weitere Lehrer trafen und schwatzten. Sehr interessant war ebenfalls der Besuch beim Canadian Centre for German and European Studies and der York University, wo wir eine Menge über das kanadische Schulsystem und auch das Centre selbst (durch seinen Leiter, Herrn Prof. Mark Webber) erfuhren.
Natürlich nutzten wir die Zeit auch für den Theaterbesuch, um Schauspiele (A Streetcar named Desire), Krimis (The Mousetrap) und Musicals (Fame, Phantom of the Opera) anzuschauen, oder auch Kinofilme (z.B. Notting Hill) im Original anzuschauen. Selbstverständlich besuchten wir auch Museen en masse, so z.B. das Black Creek Pioneer Village (Leben in Canada im 18./19. Jhd), Royal Ontario Museum, Toronto Science Museum oder die Casa Loma, Canadas einziges echtes Schloß.
Tiefe Eindrücke hinterließen auch unsere beiden
Exkursionen,
die von Corina außerordentlich gut vorbereitet wurden. Am 7.8.
ging
es mit drei Minivans in Richtung der Niagarafälle. Zunächst
besuchten
wir Crawford Lake, wo wir ein nachgebautes, aber früher
tatsächlich
dort befindliches Dorf eines neutralen irokesischen Stammes
besichtigten.
Das folgende Bild zeigt uns ein vollständiges Langhaus und davor
das
noch nicht mit Rinde verkleidete Stangengerüst dazu:
Danach ging es ins Woodland Cultural Centre in Brantford, wo wir ein
Museum mit vielfältigen Informationen vor allem über die
Mohawk-Indianer
besuchten. Nach einem Zwischenstop in Niagara-on-the-Lake, der ersten
Hauptstadt
Kanadas, in der wir ein Pfirsich-Fest erleben konnten, kamen wir dann
zu
einer der größten, aber bestorganisiertesten Touristenfallen
Canadas: den Niagara Falls.
Viele ließen sich auf der Maid of the Mist kräftig
naßsprühen,
andere gingen dazu auf die Journey behind the Falls oder aber fuhren
auf
den Skylon Tower etc. Besonders eindrucksvoll waren die Fälle nach
21 Uhr, da sie dann farbig angeleuchtet wurden, so daß selbst die
US-amerikanischen Fälle, über die sich nur 10% des Wassers
des
Niagara River ergießen und die daher gegenüber dem
kanadischen
Hufeisen-Fall nachgerade winzig wirken, beeindruckten, wie man hier
sehen
kann:
Vom 13.8. bis zum 15.8. ging es - wiederum mit drei Minivans - auf
einen
Ausflug in die Landeshauptstadt Ottawa. Zunächst besuchten wir auf
unserem Weg dorthin das Freiluftmuseum Sainte Marie among the Hurons,
eine
wiederaufgebaute französische Missionsstation, in der wir - leider
im strömenden Regen - viel über das Leben der ersten Siedler
und Missionare und auch der Huronen erfuhren. Danach ging es weiter in
Richtung Algonquin National Park, wo wir u.a. die Tom Thompson Art
Collection
besichtigten, in der einige berühmte Bilder der Group of Seven -
die,
lax gesagt, den kanadischen Impressionismus prägten - zu sehen
waren.
Nach einem Stop am Visitor Centre wanderten wir entlang des Beaver Pond
Trail durch die herrliche Landschaft.
Kurz nach Mitternacht schließlich kamen wir in Ottawa an und
checkten
ins Hotel ein. Am nächsten Morgen sahen wir uns zunächst die
Wachablösung vor dem Nationalparlament an; ein Ritual, was
überdeutlich
die nach wie vor engen Bindungen Kanadas an das ehemalige Mutterland
zeigt.
Nach einer Tour durch das Parlament mit seiner beeindruckenden
Architektur,
bei der wir viel über Kanadas Parlamentssystem lernten, ging es
auf Besichtigungstour, z.B. mit einem Doppeldeckerbus. Dabei war
natürlich
eine Stippvisite nach Hull (auf der anderen Seite des Ottawa River),
was
bereits zur Provinz Quebec gehört obligatorisch. Der Tag reichte
natürlich
nicht aus, um alle Sehenswürdigkeiten zu besichtigen, aber wir
sanken
trotzdem spätabends überflutet von Eindrücken ermattet
und
pflastermüde ins Bett. Am nächsten Morgen ging es
zurück.
Nach einer langen Fahrt kamen wir endlich in Perry Sound an der
Georgian
Bay an, wo wir auf eine drei Stunden lange 30.000-Insel-Rundfahrt
gingen.
Auf dem weiteren Rückweg machten wir nach dem Algonquin National
Park
in Dorset Station, wo wir uns die herrliche Landschaft von einem
Feuerwachturm
aus anschauten und zu Abend aßen. Dabei entstand dieses
Foto:
Nach rund drei Wochen intensivsten Aufsaugens war - viel zu früh - die Zeit des Abschieds gekommen. Nach einem Abschiedstreff am 20.8. zusammen mit Agnes Carlone und Bernd Schliephake, wiederum im Duke of York, ging es am 21.8. dann zum Flughafen und nach Zwischenstationen in Halifax und Shannon (Irland) landeten wir am 22.8. in Frankfurt/Main, von wo wir dann mit dem ICE nach Erfurt zurückfuhren: belanden mit Erinnerungen, jeder Menge an Mitschriften, Originalstücken (Speisekarten, Tickets, Broschüren etc) und Büchern jeglicher Art.
Hier noch einige interessante Webadressen rund um Toronto:
Rund um Toronto: www.toronto.com
Rund um Ottawa: www.ottawa.com
Rund um Torontos Baseball-Team, die Blue Jays: www.bluejays.com
Rund um Torontos Hockeyteam: www.mapleleafs.com
Für Basketballfans bietet Torontos seine Raptors: www.nba.com/raptors/
Und wer schließlich American Football mag: www.argonauts.on.ca
Die offizielle Website der kanadischen Regierung schließlich: www.canada.gc.ca
Diese Veranstaltung war eine unbedingt weiterempfehlenswerte Bereicherung für Englischlehrer an Regelschulen (bzw. Regelschulzweigen), Berufsschulen und Gymnasien, bei der die Eindrücke, die Erweiterungen des Wortschatzes und der Sprachflüssigkeit und die erworbenen Kenntnisse über Land und Leute den zweifelsohne beachtlichen Eigenanteil mehr als wettmachen.
Um uns auszutauschen über interkulturelles Lernen, Projektplanungen rund um das Thema Kanada, unterrichtspraktische Umsetzungen der Kenntnisse und Materialien und um Hinweise und Anregungen für künftige Studienreisen nach Toronto zusammenzutragen, fand vom 12.11 bis 13.11.1999 eine Nachbereitungsveranstaltung beim ThILLM in Bad Berka statt, die Frau Dreher - der an dieser Stelle herzlich gedankt sei - und Frau Haude vorbereitet wurde.
© Text und Bilder 1999 Carsten Kruse für das ThILLM
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