Ten Things - eine Einstellung, die am Leben halten kann
Ten things that may keep you alive
Internationales Teamwork rückt enger beisammen: Der folgende Artikel
erscheint
exklusiv und gleichzeitig als Topthema auf dropzone.com und clickfish.com.
Autor des Artikels ist Bill von Novak, Moderator des Safety-&-Training-Forums
auf dropzone.com, AirAdventures-Ausbildungsleiter (S&TA), AFF-Lehrer,
Tandemmaster, MTVsports-Demospringer. Herzlichen Dank, Bill!
[Anmerkung: Da Clickfish.com leider nicht mehr im Netz weilt, habe ich
diesen
Text direkt hierher gestellt, so dass man ihn ohne Probleme lesen kann.]
Schnellauswahl der Regeln: [1] [2] [3] [4] [5] [6] [7] [8] [9] [10]
Fallschirmspringen ist ein Sport, für den du niemals zu lernen aufhörst.
Selbst
wenn du irgendwie irgendwann alles wissen könntest – der Sport selbst
entwickelt sich weiter, ständig, und der, der heute ein Profi ist,
ist morgen ein
Newbie. Lernen ist nicht nur akademisch – es bringt uns dazu, bessere
Leistungen zu vollbringen, und Lernen hält uns am Leben, wenn es Probleme
gibt. Wenn sich die Ereignisse wirklich zu überschlagen beginnen,
dann sind hier
zehn Dinge, eigentlich eine Einstellung, die dich am Leben halten sollte:
1.
Kenne deine Grenzen. Jeder hat seine eigenen, individuellen Grenzen,
basierend auf seiner Erfahrung, seinem Background, physischer und mentaler
Fitness und auch auf natürlichen Fähigkeiten. Manchen Leuten
geht es nur unter
Druck gut, andere wiederum müssen immer weiter trainieren und üben,
um nicht
stehenzubleiben. Manche wieder sind unglaublich beweglich, manche brauchen
Unterstützung wie z.B. Bleiwesten, um ihre Fallrate anpassen zu können.
Es ist
wichtig, ehrlich zu und mit sich selbst zu sein, wenn man seine Grenzen
festlegt,
auch wenn es manchmal dem starken Ego, das Skydiver so gerne mit sich
herumtragen, widerspricht. Wir sind alle Menschen letzten Endes.
2.
Respektiere deine Grenzen. Tue keine Dinge, für die du nicht
bereit bist,
und lass dich nicht von anderen Leuten beeinflussen, diese Dinge zu tun.
Gerade
Mädchen passiert das oft, die mit dem Springen beginnen – plötzlich
haben sie
eine unglaubliche Menge neuer, männlicher Freunde, die sie und nur
sie
unbedingt auf ihre 20-ways, Freefly-Jumps, Showsprünge etc. mitnehmen
wollen. Und obwohl es natürlich technisch möglich ist, jemanden
mit 20
Sprüngen auf einen 20-way mitzunehmen (kein Problem mit 19 AFF-Lehrern)
–
eine gute Idee ist das in der Regel sicher nicht.
3.
Pushe deine Grenzen, erweitere deine Grenzen. Das mag sich zunächst
widersprüchlich zu Punkt 2. anhören, aber es ist umso wichtiger.
Wenn du erst
einmal deine Grenzen kennen und respektieren gelernt hast, kannst du damit
beginnen, sie zu überwinden. Du hast ein Problem mit deiner Fallrate?
Finde
einen langsamen (oder schnellen) Springer und spring mit ihm, während
der
andere immer langsamer und langsamer (oder schneller und schneller) wird.
Oder deine Schirmflug-Fähigkeiten... so naja? Verbessere dich – lerne
flache
Drehungen, indirekte Drehungen, Flare-Drehungen usw., ein wenig mehr mit
jedem Sprung. Mach einen CRW-Kurs. Sprich mit deinem Lehrer oder
Ausbildungsleiter. Lerne Sitzfliegen. All das. Und mehr.
Seine Grenzen zu überwinden, das fühlt sich nicht nur gut an,
im Grunde hilft es
dir, in diesem Sport zu überleben. Wenn du lernst, eine kleine Ellipse
gut zu
fliegen, wirst du wesentlich mehr Kontrolle über deinen jetzigen Schirm
haben –
und das kann dir dein Leben retten, wenn dir im Landeanflug plötzlich
jemand
den Weg abschneidet. CRW kann viel Spaß machen – aber noch mehr,
CRW
kann den Unterschied zwischen Tod und Leben ausmachen, wenn mal dein
Cypres feuert und du an zwei offenen Kappen landen musst.
4.
Überwinde deine Grenzen – eine nach der anderen. Das ist sogar
noch
wichtiger. Natürlich kann man z.B. lernen, gute Showsprünge zu
machen –
solange man auch die Basics lernt (in diesem Fall Schirmflug-Fähigkeiten,
Hindernislandungen, richtiges Absetzen etc.). All das bei deinem ersten
Showsprung lernen zu wollen heißt, um Ärger zu bitten. Das gleiche
mit den
kleinen Kappen. Natürlich kannst du lernen, einen VX 97 zu fliegen.
Umsteigen
von einem Sabre 150 auf einen VX 97 und das alles mit einem einzigen Sprung
erledigen zu wollen, das ist jedoch ein großer Fehler. Geh doch erstmal
eine
Nummer kleiner, und lerne dann diesen Schirm zu fliegen. Dann schnapp dir
einen elliptischen Schirm und lerne, diesen zu fliegen – wirklich zu fliegen.
Irgendwann gelangst du dann auf deinen VX 97, und wenn es dann soweit ist,
hast du den Background, ihn gut zu fliegen – und du wirst wesentlich besser
darauf vorbereitet sein, einen Schirm dazwischen zu springen.
5.
Lerne flache und gebremste Drehungen. Du solltest eine 180°-Drehung
fliegen können, ohne zu sinken, und du solltest in der Lage sein,
zumindest 45°
während deines Flares drehen zu können. Jedes Jahr sterben Springer
an einer
voll funktionstüchtigen Kappe, weil sie zu tief drehen. Ich bin überzeugt
davon,
dass die meisten dieser Drehungen keine beabsichtigten Hookturns waren,
sondern zufällige tiefe Drehungen, um noch schnell gegen den Wind
zu drehen
oder einem Hindernis auszuweichen. Das Leben dieser Springer hätte
gerettet
werden können, wenn sie die Fähigkeit besessen hätten, flache
und angebremste
Drehungen durchzuführen.
6.
Lerne mehr über deine Ausrüstung. Welche Farbe hat deine
Reserve?
Und welche Farbe haben deine Reserve-Toggles? Wenn du jemals hochschauen
solltest und vier Risersets siehst statt zwei, wie unterscheidest du sie
voneinander? Welche Farbe hat dein Freebag? All das kannst du ganz einfach
erfahren, wenn du deinem Rigger beim Reservepack zusiehst. Wer weiß,
vielleicht packst du sie ja irgendwann mal selbst...
Kenne das TSO-Testverfahren und kenne die Grenzen, innerhalb derer dein
Gear getestet wurde. Beschäftige dich damit, was in einem Cypres wie
funktioniert, und wie es die Höhe und mehr beurteilt. Kenne den Unterschied
zwischen Dacron und Spectra, und lerne, wie man ein Pullout-Rig packt.
7.
Gewinne verwandte Erfahrungen. Piloten beispielsweise haben einen
gewissen Wissensvorteil gegenüber Springern, wenn mal was im Flieger
schiefläuft – sie können die Zeichen lesen, und sie wissen, was
in einem
Flugzeug in solchen Fällen zu tun ist. Sie wissen, was man berühren
darf oder
was man eben nicht berühren sollte, und sie können einfacher
mit dem Piloten
kommunizieren. Das soll jetzt nicht heißen, dass man jetzt gleich
sein
Instruments Rating machen sollte – aber nur ein paar Übungsstunden
bringen
einem schon eine Menge bei über Aerodynamik, Flugzeugbau, Balance,
stabilisierten Aufstieg und Sinkflug usw.
Oder lerne Klettern. Wirklich ernsthafte Kletterer sind ihre eigenen Rigger
und
verstehen den Ansatz und die Idee hinter dem ausgleichenden Anker,
dynamisches vs. statisches Seil, und Nylon-an-Nylon-Reibung. Vieles davon
lässt sich mit unserem Rigging vergleichen, und das Wissen darum hilft
das
Rig-Design zu verstehen.
8.
Komm aus deiner Dropzone heraus! Dropzones haben ihren eigenen
Geschmack, eigene Fähigkeiten, eigene Ausrüstung. Skydive Kapowsin
z.B.
scheint nichts anderes als Infinity-Rigs zu kennen, und bei AirAdventures
gab es
eine Zeitlang nur Reflex-Systeme. Einige Dropzones sind freefly-orientiert,
andere tendieren zum RW oder CRW, andere wiederum spezialisieren sich auf
Showsprünge. Vom Familiären wegzukommen bedeutet, sich Neuem
zu öffnen
– man lernt mehr über andere Disziplinen, andere Ausrüstung,
andere
Mentalitäten und Auffassungen. Außerdem wirst du einige wirklich
coole Leute
kennenlernen – man kann sich einfach nicht mit Leuten wie Bryan Burke,
John
LeBlanc, Tony Domenico oder Adam Filipino unterhalten, ohne dabei auch
etwas zu lernen. Erweitere deinen Horizont.
9.
Kaufe Bier. Es hört sich an wie eine eigennützige Tradition,
die darauf aus
ist, neue Springer zu quälen. In Wahrheit ist es wesentlich mehr als
das. Der
Schlüssel zum Verständnis: Wenn du Bier kaufst und es allen anderen
spendierst, werden sie dich fragen wofür es gedacht ist, und letztendlich
befindest du dich mit allen möglichen Leuten im Gespräch darüber,
was dir
widerfahren ist. Da dies meistens aufgrund irgendwelcher bedeutungsvoller
Anlässe geschieht wie z.B. deiner ersten Reserve, ist dies auch ein
ziemlich
wichtiger Zeitpunkt, dich mit Leuten auszutauschen.
Und andererseits: Wenn jemand einen Kasten Bier spendiert, und du bist
der
erfahrene Springer, greif dir nicht einfach eine Flasche und renn weg.
Finde
raus, wer es gekauft hat – und warum. Dieses Bier ist nicht umsonst – der
Preis
dafür ist, dein Wissen und deine Erfahrung weiterzugeben, die du zum
erstenmal
gemacht hast zu den Zeiten, als du dachtest, du müsstest jedes Wochenende
einen neuen Kasten kaufen.
10.
Bringe anderen bei, was du weißt. Werde Lehrer. Es gibt keinen
besseren Weg zu lernen als zu lehren, und anderen hilft es genauso. Wenn
du
ein wahrer Experte werden willst, z.B. was das Notprozedere betrifft, bring
es
den Erstpringerkursen bei und sieh zu, wie und was sie bei ihren Versuchen
falsch machen. Wenn du viel über RW lernen willst, organisiere RW-Loads.
Wenn du mehr über Skydiving generell wissen möchtest, mach die
Grundkurse.
Allein das Anfertigen deiner Unterrichtsskripte und darüber zu sprechen,
wird
dich dazu bringen, dich selbst zu überprüfen, und du bekommst
direktes
Feedback durch das Lehren.