FallschirmspringerFallschirmspringen in GeraFallschirmspringer


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Carstens Skydive-FAQ

Dies soll eine Sammlung häufig gestellter Fragen und dazu gehörender Antworten (englisch: Frequently Asked Questions (and Answers)) sein, die uns von "Whuffos" immer wieder gestellt werden. Garniert habe ich sie allerdings mit einigen humoristischen Einlagen. Angeregt wurde ich dazu von Tobis FAQ. Ansonsten möchte ich noch auf die "seriösen" FAQs im Bereich "Links" verweisen.
   

Frage

Antwort

Was ist denn ein Whuffo?

Das Wort kommt aus der US-Springerszene: Colloquialism, n, A person who is not a skydiver (from the often-asked phrase "Whuffo you jump out of them airplanes?"). Also ein Nicht-Springer, von denen einige sich durch die Frage "Warum springt ihr denn aus Flugzeugen?" bei uns beliebt machen. ;-)

Und warum springt ihr aus völlig intakten Flugzeugen?

Weil die Tür offen ist. Im Ernst: Weil es unglaublichen Spaß macht, sich kontrolliert im freien Fall zu befinden.

Darum springt ihr?

Genau. Andere klettern auf Berge, oder tauchen oder rufen fremde Leute sinnfrei an. Weil es Spaß macht. Hmmm... ich frag Dich doch auch nicht, warum Du atmest, oder? ;-)

Mal ehrlich: Ist doch wegen dem Adrenalinkick, gibs doch zu!

Es heißt "wegen des Adrenalinkicks" ;-)))
Vor allem aber ist das nicht unbedingt der Grund. Zumindest nicht der einzige. Gerade bei diesem Sport kann man eigentlich ständig etwas dazulernen und sich weiterentwickeln. Man trifft nette Leute, es ist gute Stimmung, Geselligkeit - was will man mehr. Und dann ja, natürlich dieses unbeschreibliche Gefühl, kontrolliert in der Luft unterwegs zu sein.

Wird man denn dabei nicht ohnmächtig?

Ja, das wird man. Ich wundere mich am Boden jedes Mal wieder, wo ich so angekommen bin. Und warum ich wieder etliche Talerchen dafür ausgegeben habe, ohnmächtig durch die Luft zu fliegen. Alles klar? 
Im freien Fall würde man höchstens ohnmächtig, wenn man völlig besoffen oder kurz vor dem Herzinfarkt ist. Und beides ist bei Skydivern recht unwahrscheinlich.

Hö? Skydiver? Warum denn nicht Fallschirmspringer?

Eigentlich richtig. Aber das Wort Fallschirmspringer trifft es heutzutage weniger. Der eigentliche Sport (und Kick ;-) ist der kontrollierte freie Fall - englisch heißt das "skydiving". Die anschließende Fahrt am Schirm ist ein gern in Kauf genommenes "Übel" - schließlich rettet er uns ja das Leben. Gelegentlich genießt man natürlich mal die Aussicht am Schirm. In der Regel ist man aber bemüht, schnell wieder auf den Boden zu kommen... um sich für den nächsten Sprung vorzubereiten. Allerdings macht auch die Schirmfahrt Spaß, vor allem... die Landung! Denn da kann man - die notwendige Übung und das notwendige Sicherheitsbewusstsein vorausgesetzt - mit einiger Geschwindigkeit über de Boden heizen, was wirklich toll ist :-)

Aus welcher Höhe springt ihr denn?

In der Regel aus 4000m. Das reicht für circa 45-60s freien Fall. Im Vergleich: Selbst ein langer Bungee-Hopser dauert vielleicht maximal 3s.
Allerdings gibts auch Leute, die aus 2500m springen, weil das Klubflugzeug nicht so viel Puste hat. Oder mit Absicht, weil sie dann gleich den Schirm aufmachen und dann mit anderen zusammen "Kappenrelativarbeit" machen, also mit ihren Schirmen schöne Formationen bilden.
Und dann gibts noch die Zielspringer. Die huppen meist schon bei 1000m raus. 1-2s Freifall und dann Konzentration, damit sie eine kleine Zielscheibe möglichst genau treffen.

Tut der Freifall nicht weh?

In der Regel tut nichts weh. Der Fahrtwind ist bei 200-300 km/h natürlich nichts für Fönfrisuren (zumal man Kopfschutz trägt) und es zerrt gern mal an den Wangen, aber gerade an Sommertagen ist die Luft oft erstaunlich weich und man fühlt sich richtig wohl. Natürlich muss man die Augen schützen - mit einer Brille. Falls man aber mal durch eine Wolke hindurchsaust, ist aber Schluss mit lustig: Wenn bei dem Tempo Hagelkörner aufs Gesicht prasseln würden, täte das richtig weh. Genau deshalb springen wir nicht durch Wolken.

Ich hab mal bei 150 Sachen den Arm aus dem Auto gesteckt und dabei hats mir den fast weggedonnert - wie macht Ihr denn das bei 250 Sachen?

Wie Tobi sagt, ganz einfach: Direkt vor der Ausbildung werden die Arm- und Beinknochen durch Titanstangen ersetzt, die mit Servomotoren bewegt werden.
Im Ernst: Da der gesamte Körper dem Fahrtwind ausgesetzt ist, sind die (Differenz)Kräfte auf Arme und Beine längst nicht so stark, wie man denkt. Ein bissel Sportlichkeit sollte man allerdings schon mitbringen.

Kann man im Freifall atmen?

Dafür entwickelt man recht schnell Kiemen, zudem werden die Sauerstoffmoleküle durch die hohe Aufprallgeschwindigkeit in den Körper hineingepresst, so dass man nicht atmen muss. 
Spaß beiseite: Ja, ohne Probleme. Es ist jedoch angezeigt, durch die Nase zu atmen. Öffnet man den Mund, flattern die Lippen sehr stark (sieht Schei* aus!) und man kann dann auch in der Tat etwas schlechter atmen. Wer jedoch mit einem Vollvisierhelm springt, hat gar keine Probleme :-)

Kann man sich im Freifall unterhalten?

Versuche mal, Dich in einem Cabrio bei 150 km/h zu unterhalten. Dann entferne die Windschutzscheibe und blase mit 250 Sachen über die Autobahn. Danach Skydive-Videos anschauen: Man sieht, dass die Kommunikation ausschließlich über Zeichen ablaufen kann, da man nichts versteht bei dem "Windrauschen".

Wie lang dauert eigentlich der Freifall?

Auf keinen Fall 4 oder 5 Minuten, wie man es in manchen Actionfilmen sieht. Die Obergrenze für das Absetzen, ohne zusätzliche Sauerstoffversorgung mitnehmen zu müssen, liegt bei ca. 4000m. Wenn man in 1000m öffnet, kann man folgende Faustregel nutzen, die allerdings nur für "Bauchfliegerlage" (siehe unten) gilt:  Für die ersten 300m braucht man 10s, ab dann 2s pro 100m. Macht also knapp über eine Minute.

Purzelt man denn nicht wie wild durch die Luft? Die hat doch keine Balken. Und im Fernsehen hab ich mal gesehen, wie einer von einem Turm gesprungen ist - der hat gerudert wie irre!

Wenn man einmal gelernt hat, stabil in der Luft zu liegen - oder sogar zu sitzen, zu stehen (auch auf dem Kopf) - ist das alles kein Problem. Man sorgt dafür, dass die Luftanströmung schön gleichmäßig erfolgt, dann klappts. Die einfachste Form dafür ist ein starkes Hohlkreuz und die Arme und Beine symmetrisch zu halten, so dass man ein wenig einer nach unten zeigenden Halbkugel ähnelt. (Ruhig mal mit einer Plasteschüssel ausprobieren.) Da man - im Gegensatz zur Plasteschüssel - kleine Luftunruhen etc ausgleichen kann, bleibt man auch sauber liegen.

Klingt ganz logisch. Und in [Filmtitel einsetzen] hab ich auch gesehen, dass man das ganz fix lernt.

Stimmt. Ich hab auch bloß 1x "Cutaway" und vor allem "Dropzone" angeschaut. Seitdem kann ich supidupi springen. Und seit ich 3 Folgen Klinikum Berlin-Mitte gesehen habe, kann ich auch voll krass Herzen transplantieren. Dank TV bin ich auch Rechtsanwalt, gerade Matlock hat mir da viel gebracht. 
Spaß beiseite: Fallschirmspringen lernt man nicht nebenbei, sondern in einem Klub oder eben der Aero Fallschirmsport. Näheres dazu findest Du hier oder hier.

In welcher Höhe zieht ihr denn die Reißleine?

Whuffo! Whuffo! "Reißleine" ist so ein Begriff, den wir nicht mögen. Wenn jemand einen Automatensprung macht, wird der Schirm automatisch mittels einer am Flugzeug befestigten Aufzugsleine ... aufgezogen. In der Regel jedoch will man Freifall erleben und da muss man den Schirm selber öffnen. Dazu wirft man z.B. einen kleinen Hilfsschirm (pilot chute), der in einer elastischen Tasche am Boden des Containers (das, was man auf dem Rücken trägt) steckt, in den Luftstrom. Der Hilfsschirm füllt sich und zieht infolge des Luftwiderstandes, der auf ihn wirkt, über eine Verbindungsleine (bridle) einen Verschlussstift (pin) aus der Schlaufe (loop), die den Container zusammenhält und  zerrt danach den "Pod" heraus. In den hat man den Fallschirm hineingepackt. Der Pod zerrt dank des Hilfsschirmes die Leinen, mit denen der Schirm am Gurtzeug befestigt ist, heraus und schließlich zerrt der Hilfsschirm den Pod vom zusammengepackten Schirm und selbiger entfaltet sich. Damit auch das nicht zu schnell geht, wird die Entfaltung über einen "Slider" gebremst. Das ist ein Stoffstück, das über die Fangleinen gleitet (von "to slide") und vom "Fahrtwind" natürlich nach oben gedrückt wird und so nur langsam nach unten gleitet und somit die Entfaltung der Leinen und damit des Schirms gut verzögert. (Lange Verögerung der Öffnung des Schirms heißt eben auch geringe Bremskraft, die auf den Springer wirkt!)
Achja... das ganze sollte man so in ca. 1000m Höhe machen. Der Entfaltungsvorgang dauert ca. 3-5s, das sind in der Regel um die 200m, so dass man also in 800m an der entfalteten Kappe hängt.

Ich hab letztens in der Zeitung gelesen, dass es als c00l gilt, so spät wie möglich den Schirm zu öffnen.

Leider steht solcher Unsinn tatsächlich in manchen Artikeln. Ist genauso wahr wie Berichte über Zahnärzte, die es als c00l betrachten, so tief wie möglich ohne Betäubung zu bohren. 
Wenn jemand willentlich sehr tief öffnet, gefährdet er sich und seine Mitspringer - und zwar ernsthaft. Angenommen jemand organisiert einen Wettbewerb "Wer zieht am spätesten" - er und alle Teilnehmer würden mit sofortigem Sprungverbot belegt.

Der Fallschirm ist doch so groß, und dann noch die vielen Schnüre - wie kriegt man denn soviel Seide in den kleinen Tornister? Hast Du denn da nie Angst, dass der Schirm nicht öffnet?

Die heutigen Flächengleitschirme sind gar nicht so groß wie die alten Rundkappen. Ein Schirm mittlerer Größe hat eine Fläche von ca. 150 sqft (Squarefeet = Quadratfuß), also rund 15 qm. Und aus Seide werden Schirme schon seit Jahrzehnten nicht mehr gefertigt,. Heute sind sie aus vollsynthetischem Hochleistungsgewebe. Das Packen sieht nur anfangs verwirrend aus. Sobald man sich ein bissel damit beschäftigt hat, ist es ganz einfach und man ist nach ca. 10-15 min fertig. Achja: Der "Tornister" heißt, wie gesagt, Container. Und da sind 2 Schirme drin: Haupt- und Reserveschirm und noch der Öffnungsautomat. Die heutigen Packtechniken sind über Jahrzehnte entwickelt worden und sehr sicher. Zusammen mit den guten Materialien sichert das stabile Packqualität. Man kann also, wenn man nicht gerade schlampig packt, sicher sein, dass der Schirm aufgeht.

Und woher weiß man, dass man die Öffnungshöhe erreicht hat?

Da stehen Schilder auf den Wolken. ;-)
Dafür gibts Höhenmesser, die man am Arm trägt. Sie messen eigentlich den Luftdruck und zeigen, weil der Luftdruck von der Höhe abhängt, die Höhe überm Erdboden an. Viele Springer nehmen noch "Dytter" (auch "audibles" genannt) in ihren Helmen mit, die in voreingestellten Höhen laut piepsen.

Achja, "laut" - schadet das Springen nicht dem Gehör?

Häää? Wie bitte? Was hast Du gesagt? 
Es ist genauso schädlich wie Motorradfahren. Hmmm... eigentlich ist Motorradfahren schädlicher fürs Gehör, weil der Motor meist so laut ist. Im Grunde ist die Frage aber gut, weil viele Springer in der Tat die Geräuschbelastung beim Steigflug im Absetzflugzeug unterschätzen: gut eine Viertelstunde in einem Propellerflugzeug, da sollte man schon Gerhörstöpsel tragen.

Aber knacksen die Ohren nicht ständig wegen der Druckveränderungen?

Beim Aufstieg kann das in der Tat mal passieren. Dann muss man halt schlucken oder so. Runterzu merkt man nix. Außer, man hat eine richtig schön verstopfte Nase. Dann funktioniert der Druckausgleich nicht mehr und kurz nach dem Sprung fängt es an weh zu tun. Aber so etwas Dummes macht niemand.

Achja: Ist das nicht saukalt da oben?

Ja. Minus 150 Grad und noch kälter. Für Männer: Es ist ungefähr so lang [------]
In der Tat sinkt die Temperatur mit der Höhe - ca. 0.6°C pro 100m - also ist es "ganz oben" in 400m Höhe ca. 24°C kälter. Das merkt man aber eigentlich nicht groß. Nicht etwa wegen der Reibungshitze, sondern 1) des Adrenalins wegen und 2) ist man ja nur kurz in diesen Bereichen.

Aber wenn das mit der Temperatur nicht so die Rolle spielt, warum springt ihr dann nicht im Winter?

Weil man spätestens ab November damit rechnen muss, dem Weihnachtsmann in den Schlitten zu krachen. Dann macht der nämlich die ersten Übungsflüge.
OK, der Freifall ist, wie gesagt, eher weniger das Thema. Aber danach kommt die Fahrt am Schirm, die etwas länger dauert. Dabei stört Kälte wesentlich mehr, vor allen an den Fingern (selbst mit Handschuhen). Zudem ist dann der Boden recht hart und selbst wenn man in einer Halle packen kann, ist es dort nicht so sehr warm. 
Aber es gibt schon ein paar Sprungplätze, wo man auch in Deutschland im Winter huppen kann. Manchem ist dann für sein Laster kein Weg zu weit...

Ist nicht schonmal einer ohne Fallschirm gesprungen?

Ja. Von der Absprungattrappe am Boden.

Und wenn der Schirm nicht aufgeht? Oder nicht richtig aufgeht?

Sorte, darüber hab ich noch nie nachgedacht... ;-]
Im Ernst: Dann muss man die endlos geübte Notfallprozedur durchführen. Hauptkappe abtrennen, Reserve ziehen. Falls man übrigens in Folge Ohnmacht o.ä. die Höhe total verpennt oder sonstwie nicht zum Öffnen kommt, hat man als verantwortungsbewusster Springer noch einen Öffnungsautomaten. Meist heißt der Cypres und ballert den Reserveschirm vollautomatisch in 225m Höhe heraus. Der Reserveschirm ist so nach 80m offen, also hängt man dann in knapp 150m Höhe an einem funktionsfähigen Lebensretter.

Und wenn die Reserve nicht aufgeht?

Wie Tobi schreibt: Folge dem Licht.
Da die Reserve aber nur vom einem speziell ausgebildeten Fallschirmwart bzw. -techniker gepackt werden darf und zudem mit x Sicherheitsvorkehrungen ausgestattet ist, ist dieser Fall extrem unwahrscheinlich.

Also siehtste, das ist doch alles total gefährlich...

In einer Großstadt zu leben ist auch gefährlich. Selbst zu Hause ist es gefährlich. Man kann sich einen Stromschlag holen, beim Baden ersaufen, auf dem frisch gewischten Fußboden zu Tode stürzen oder vorm Fernseher einen Herzkasper bekommen, wenn die Volxmutanten beim Zappen erscheinen.
Wenn man sich an die Regeln hält, ist Fallschirmspringen genauso ungefährlich wie Autofahren. Wahrscheinlich sogar ungefährlicher, weil es bei uns nie Stau und keine tiefergelegten Mannis gibt.

Wie weit reißt es Dich eigentlich so hoch, wenn Du die Reiß... äh, den Schirm öffnest?

Na so locker 300m. Wenn ich Lust auf mehr Freifall habe, öffne ich erst in 100m, lass mich hochreißen und schwupps, bin ich in 400m Höhe. Boah, ey! ;-)
In Wirklichkeit ist es so, dass man die Öffnung eines Schirmes sieht, die ein anderer Springer filmt. Da der weiter im freien Fall ist, fällt er schneller als der Springer, der durch seinen sich öffnenden Schirm gebremst wird. Dadurch bleibt er hinter dem Kameraspringer zurück - von dessen Warte sieht es so aus, als ob der andere hochgerissen wird. Relativität der Bewegung halt.

Ist der Öffnungsruck eigentlich sehr schmerzhaft?

Das stecken wir locker weg. An den Beinen haben wir schon 3mm dicke Hornhaut... Ja, an den Beinen. Denn man "sitzt" sozusagen in den Beingurten und sie tragen beim Öffnungsvorgang die Hauptlast. Und: Die Öffnung tut i.d.R. nicht weh (außer, man hat eine "Knallöffnung", was (je nach System) mehr oder weniger selten passieren kann). Und damit sie nicht weh tut, wird die Öffnung des Schirmes so gut wie möglich verzögert, siehe "Slider".

...verzögert?  Der Schirm soll doch so schnell wie möglich aufgehen?

Eben nicht. Im Freifall ist man bei der Öffnung mit ca. 50m/s unterwegs und am geöffneten Schirm mit ca. 5m/s. Wenn man also z.B. in 1s vom 180 km/h (also 50m/s) auf 18 km/h (also 5m/s) abgebremst würde, wirkte - schlagartig - eine Bremskraft auf den Springer, die FÜNF mal so stark wäre wie sein Gewicht.
Darum baut man einen Öffnungsverzögerer ein, den Slider. Das ist ein Stück Stoff, welches sich - siehe oben - nachdem der Schirm aus dem Pod gezerrt wird, durch den Fahrtwind bläht und dadurch schön piano an den Fangleinen herunterrutscht. Dadurch kann sich die Kappe nicht so schnell entfalten. Verzögert man dadurch den Öffnungsvorgang von 1s auf 3s, wirkt nur noch das 1.5fache des Körpergewichts als Bremskraft auf den Springer. Manche Kappen sind besonders angenehm und öffnen "schnüffellangsam", das sind richtige Rückenschmeichler.

Hö? Für den Rücken ist es doch gut, wenn man mal ne bissel härtere Öffnung hat, oder?

Wenn das Gurtzeug an den Achseln angeschweißt wär, vielleicht. Da man aber hauptsächlich auf den Beingurten sitzt, wirkt eine harte Öffnung stauchend auf den Rücken.  Darum fragen alle Springer, wenn man einen ihnen unbekannten Schirm hat, als erstes danach, wie der denn wohl öffnet. :-)

Wo  hat es Dich denn schon so überall am Schirm hingetrieben?

Einmal bis in den Westen. War ich froh, dass die Grenze nicht mehr war, sonst hätten die mich glatt mit ner MIG 29 abgeschossen wegen versuchter Republikflucht! ;-)
Nene,  Du denkst vielleicht an die ollen Rundkappenschirme. Die sind nur noch was für Nostalgiker und in der Tat schwer steuerbar und windanfällig. Mit den modernen Flächengleitschirmen, die einer Flugzeugtragfläche ähneln, kann man wunderbar steuern.

Aber die Landungen, das tut doch weh, oder?

Klar, aber wir sind halt Masochisten. 
Nochmal: Rundkappen springen nur noch Nostalgiker oder Soldaten - bei denen gehts nur darum, halbwegs ordentlich und schnell auf den Boden zu kommen, ohne Schnickschnack. An so einer Rundkappe kachelt man in der Tat wie ein Kühlschrank auf den Boden, so dass die berühmten Springerstiefel dort Sinn ergeben. Hat man einen modernen Flächengleitschirm, kann man schön weich landen. Man tauscht nämlich sozusagen beim Bremsen Vorwärtsfahrt gegen Auftrieb ein, so dass die Sinkgeschwindigkeit kurzfristig Null ist. Man muss nur den richtigen Moment für dieses Manöver (Flaren genannt) finden, sonst landet man auf dem Podex oder muss "auslaufen". 

Also nochmal wegen "Dropzone", da ist der doch von der Schnecke aus dem Flugzeug geschmissen worden und dann hat die den in der Luft einsammelt...

Seufz... Naja, Ärzte müssen auch mit dem Schwachfug, der in diesen Weißkittelserien verzapft wird, leben.
Erstens muss jeder, der in einem Absetzflugzeug sitzt und keinen Schirm hat, auf nem Sitzplatz hocken und angeschnallt sein. Also nix mit Hebel rumwerfen, Klappe auf und Runterpurzeln. Sollte jemand einen anderen Springer, der nicht will (z.B. Sprungschüler), aus dem Flugzeug werfen, kriegt der Sprungverbot, ein paar gewaltige Maulschellen am besten dazu und allerhöchstwahrscheinlich ein Gerichtsverfahren an den Hals. Auch ein Tandemmaster wird niemals einen Passagier, der dann doch nicht will, womöglich brutal mit an die Tür schleifen und sich mit ihm aus dem Flugzeug werfen. 
Ansonsten ist zu sagen, dass man es nicht schafft, jemanden, der 10s vor einem aus dem Flugzeug purzelt, einzuholen, an ihn heranzufliegen, anzudocken und dann die Haken für das Tandemgurtzeug einzuklinken. 

OK, ich weiß, diese Filme... aber in "Cutaway" habe ich gesehen, dass man in so einem komischen Windkanal üben kann und dann alles kann, bis aufs Fliegen am Schirm...

Wie gesagt, seit ich Matlock schaue, bin ich echt voll krass der Strafverteidiger und hab in den Staaten einen tollen Ruf.
Kurz: Skydiven - also den kontrollierten Freifall - lernt man nur durch Skydiven und ebenso die Schirmfahrt. "Bauchflieger", also Relativ-Springer, üben (besonders im Winter) gerne mal im Windtunnel (das ist der korrekte Name), weil man da locker mehr als eine Minute "fliegen" kann. Allerdings kann das den realen freien Fall nicht ganz ersetzen. Und wenn man dann glaubt, nach 2-3 Tagen Übung schon perfekt im Headdown umeinander carven zu können, sind wir im Reich der Märchen gelandet.

OK: Wie lernt man dann Skydiven?

Im Prinzip auf jedem Sprungplatz. Es gibt zwei Wege. Die klassische Ausbildung, bei der man mit Automatik-Strippensprüngen anfängt und dann irgendwann 1s Freifall hat, dann 3s, dann mehr usw usf. Dann gibts die AFF-Methode, die wesentlich schneller geht: in einer Woche vom Fußgänger zum Skydiver. Kostet allerdings auch erstmal etwas mehr. Unterm Strich sind beide Wege fast gleich teuer. Falls Du Interesse hast, mail ruhig mal an die Aero hier in Gera oder in Kassel, die schicken Dir dann gern Infomaterial zu. Und sag unbedingt, dass Carsten Dich als Kunden geworben hat - dann gibt das einen kleinen Bonus für mich ;-)

Örm... gleich mit selber Springen anfangen ist mir zu hastig... kann ich nicht erstmal mit einem Tandemsprung ausprobieren, ob das was für mich ist?

Ja klar, mach das ruhig. Und dabei bist Du sicher wie in Abrahams Schoß, weil die Tandemmaster einen großen Erfahrungsschatz haben. Sag vorneweg Bescheid, wenn Du mit dem Gedanken spielst, anschließend mit einer Ausbildung anzufangen. Erstens wird Dir dann ein gewisser Betrag des Sprungs als Rabatt für die Ausbildung gutgeschrieben und zweitens weiß dann der TD-Master, dass er Dich vielleicht das eine oder andere zusätzlich hinweist. Dass Du dann allerdings schon mal in der Luft rumhampeln darfst, ist nicht drin: Sicherheit zuerst. In dieser hier verlinkten Seite von mir findest Du eine ganze Menge an Infos zum Tandemspringen.

Und die Gesundheit? Was braucht man überhaupt alles für den Tandemsprung? Gibts ne Altersgrenze?

Altersgrenze gibts nach unten: 12 Jahre. Nach oben ist es schwieriger - so lange man zügig zum Flugplatz laufen kann und Herz & Kreislauf halbwegs intakt sind, kann man selbst mit über 80 noch einen Tandemsprung machen. Allerdings solltest Du nicht schwerer als 90 kg sein und nicht kleiner als 1.40m. Naja, ein 2.20m-Riese solltest Du auch nicht unbedingt sein...
Die Ausrüstung (also Schutzbrille, Overall und Schutzkappe) wird gestellt, feste Schuhe solltest Du mitbringen.

Und wie ist das bei der Ausbildung mit der Gesundheit etc.?

Da wird Dir alles konkret dann bei der Anmeldung gesagt. Kurz: Du brauchst ein Tauglichkeitszeugnis (geht beim Hausarzt), wobei auch hier die Gesundheitsanforderung nicht zu hoch ist. Auch Brille oder z.B. Diabetes sind kein echtes Hindernis. Du musst mindestens 14 Jahre sein. Lizenz gibts aber erst ab 16, bis dahin bleibt man Sprungschüler. 

Und was kostet das alles so?

Geld. ;-)
Naja, ganz billig ists nicht, aber das ist bei vielen Sportarten so. Die Ausbildung selbst kostet ca. 1500 Euro, zuzüglich Prüfungsgebühren und dann braucht man noch die Ausrüstung. Anständige gebrauchte Gurtzeuge gibts für 2000-2500 Euro. Die Sprünge kosten in der Regel was bei 26-28 Euro. Aber da selbst Studenten Fallschirmsport betreiben, sieht man, dass es geht - man muss dann halt Prioritäten setzen.

Was sind eigentlich Bauchflieger? Ist das jemand mit einem dicken Wanst?

Bauchflieger ist der Slangausdruck die Springer, die mit dem Bauch voran fallen. Das ist halt die klassische Freifallposition. Die Bauchfaller sind recht gesellige Wesen und springen gern zu zweit, zu dritt, sehr oft zu viert und manchmal zu acht oder gar in noch größeren Formationen, die man dann BigWays nennt. Der aktuelle Weltrekord liegt bei 400 Springern, die eine Formation bildeten. Der aktuelle deutsche Rekord bei 200 Springern. Beim Formationsspringen, dass in der Regel als Vierer- oder Achterformation ausgeübt wird, geht es darum, sich in der Luft so oft und variabel wie möglich anzufassen und alle möglichen Formationen zu bilden.

Aber "Bauchflieger" ist nicht der echte Name, oder?

Antwort: Im Prinzip... Jein. Viele Bauchflieger bezeichnen sich selbst als RWler. Manche sagen halt Bauchflieger, oder Bauchfaller oder Bauchi oder Flatflyer oder... Die, die meist "RW" sagen, bezeichnen sich selbst gelegentlich auch mal als Bauchflieger. Ist wirklich kein Schimpfwort.

Was ist denn nun wieder RW?

RW steht für "relative work". Damit ist die Sprungart gemeint, bei der die Springer in der Regel in der "klassischen" Freifallposition, also mit dem Bauch voran und schön durchgebogen, fallen und miteinander "arbeiten". Dieses "Arbeiten" bedeutet, dass man zu zwei oder dritt oder viert... bestimmte Formationen bildet, wobei sich die Springer dabei meist an speziellen Griffleisten, die im Arm- und Beinbereich der Kombis angenäht sind, anfassen. Am beliebtesten sind die Vierer- und Achterformationen, hier gibts eine ganze Anzahl an Teams, die z.T. sehr viele "Punkte" schaffen. Jedes regelgerechte "Anfassen" (also Bilden einer Formation) ist ein Punkt.

Griffleisten? RW-Kombis?

Die RWler (oder auch Bauchflieger) haben spezielle Kombis an. Diese sind enganliegend. Man ist auf dem Bauch nicht so schnell unterwegs wie die Freeflyer, sodass man nicht unbedingt flatternde, bremsende Kleidung braucht. Ein schönes Bild dazu ist hier zu sehen. An den Beinen hat der RWler in der Regel sog. Booties. Diese vergrößern und optimieren die Anströmfläche für den Wind an den Beinen. Dadurch kann man sehr schnell und mit wenig Armeinsatz manövrieren. Hier sieht man, wie die Booties über die Füße/Schuhe gezogen sind.

Und die Freeflyklamotten?

Freeflyklamotten sind oft weiter und flattriger als RW-Sachen. Das gibt u.a. bei der höheren Geschwindigkeit etwas mehr Stabilität. Meist haben Freeflyer entweder eine Freeflykombi an oder aber einen Pullover (meist Sweatshirt) und eine spezielle Freeflyhose, die weiter geschnitten ist, am Bein-Abschluss aber feste Klettverschlüsse hat, so dass sie dort fest anliegen. In dem Bilde hier man Freeflyer mit typischen Sachen sehen.

Was gibts denn so an Formationen/Figuren, die die Springer da einnehmen?

Hier sollen nur einige Grundfiguren genannt werden, illustriert an zwei Springern.

  • Sidebody: Springer A liegt 90° gegen B gewinkelt, B befindet sich mit seinem Kopf etwa in Hüfthöhe von A. Beide bilden im Prinzip ein T. B fasst an dem Arm und Bein des Springers A an, die zu ihm zeigen. (Es gibt konkurrierende Schreibweisen: Sidebuddy und Sidebody - beide ergeben Sinn und ich bleibe beim "körperlichen" Begriff ;-)
  • Compressed: Die Springer sind parallel, aber 180° gegeneinander gerichtet, also Kopf jeweils in Fußhöhe des gegenübers und fassen einander jeweils an den Beinen an. (Also A fasst mit seiner rechten Hand das rechte Bein von B an.)
  • Cat(erpillar): A liegt genau hinter B (gleiche Linie) und fasst die Beine von B an. Die beiden bilden sowas wie eine Raupe, engl. Caterpillar.
  • Open Accordian: A und B liegen mit den Gesichtern zueinander, fast in einer Linie, jedoch leicht gegeneinander versetzt (Kopf ca. 20 cm neben dem Schulterende des Partners) und fassen einander an den Oberarmen an. (A fasst mit seiner rechten Hand den rechten Oberarm des Gegenübers an.)
  • Ansonsten kann man die offizielle Reihe an Figuren für Vierer-Teams hier anschauen.

Gibts noch weitere Gattungen der Springer?

Ja. Zum Beispiel die historisch erste Gattung, die sogenannten Zielspringer. Die springen schon bei 1000m raus, mit vielleicht 1-2s Freifall und dann konzentrieren sie sich mit ihren Riesenschirmen darauf, mit dem Fuß möglichst präzise eine Zielkreisscheibe zu treffen. Für einen Freeflyer ist das fast genauso spannend wie Hallenhalma oder Schäfchenzählen. Aber zum Glück sind die Geschmäcker ja verschieden.

Freeflyer? Was sind denn das für Springer?

Das sind vielleicht Leute. Statt der üblichen Kombis mit Griffleisten an Armen und Beinen haben sie bunte, weite Hosen oder Kombis an und dann sind sie zumeist mit ultracoolen dicht anliegenden Sonnenbrillen unterwegs - auch im Freifall. Dort fallen sie in allen möglichen Haltungen: Bloß nicht auf dem Bauch! Also zum Bleistift im Sitzen, im Stehen oder sogar auf dem Kopf. Dadurch verschenken sie kostbare Freifallzeit - sie sind nämlich deutlich schneller unterwegs als die Bauchflieger. Die Freeflyer - auch in Deutschland - werfen gern mit Begriffen wie Headdown, Standup, Transition, Cartwheel etc um sich. Freeflyer erkennt man auch daran, dass sie ständig neue Grußzeichen und Sich-Gegenseitig-Glück-Wünsch-Zeichen erfinden, bei denen sie vorzugsweise ihre Hände aneinander reiben etc.
Ab einer bestimmten Inkubationszeit ist der Freeflyer auch an der am Helm angeschweißten Kamera erkennbar. Sein erster Weg noch vor dem Packen ist oft hin zum Videoarbeitsplatz - "auswerten", also Aufnahme anschauen was so alles ging.
Das Vorurteil, dass Freeflyer keine "Griffe nehmen" können, stimmt nicht. Ab einer bestimmten Reifeperiode sind Freeflyer genauso vernarrt darin, sich im Freifall gegenseitig anzufassen (also Griffe zu nehmen), vorzugsweise an den Händen. Am liebsten aber üben sie die verschiedensten Stellungen: Zum Beispiel einer auf dem Kopf und der andere im Stehen, beide im Sitzen usw. Das Freefly-Kamasutra ist halt dreidimensional. Die Bauchflieger haben die dritte Dimension mittlerweile auch für sich entdeckt, es geht überall voran. Infolge der deutlich höheren Geschwindigkeiten und tendenziell etwas geringeren Stabilität sind die "BigWays" bei den Freeflyern noch weit von den o. g. 400 der Bauchflieger entfernt, aber die Entwicklung schreitet voran. Ein richtiger Freeflyer kann übrigens auch anständig auf dem Bauch fallen und Hohlkreuz machen - um ordentlich zu pullen (siehe oben) und für nen geschmeidigen Trackdive.

Was zum Teufel ist ein Trackdive?

Dabei springen die Beteiligten zugleich (naja, zumindest gaaaanz dicht hintereinander) aus dem Flugzeug, machen sich gaaanz lang (vor allem die Beine) und fliegen dann wie ein Vogelschwarm in eine vom Leader vorgegebene Richtung. Ziel ist, so dicht wie möglich zusammenzubleiben - und das bei Vertikalfallgeschwindigkeiten von bis zu 200km/h und horizontalem Vortrieb von 70 und mehr km/h. Das macht unheimlich Spaß, erfordert aber genaue Kenntnis dessen, was man macht, ein Stück Erfahrung und viel Disziplin. Es ist auch eine gute Schule für das Separieren.

Separieren?

Skydiver sind im Freifall halt gern gesellig, aber beim Öffnen des Schirms mag man niemanden in der Nähe haben. Denn falls zwei Springer ihre Schirme dicht nebeneinander öffneten, würden sich die Schirme ziemlich oft ineinander verwickeln, was für viel Ungemach sorgen würde. Also heißt das, dass man sich nach dem "Arbeitschluss" in der - vorher festgelegten Separationshöhe (meist zwischen 1300-1500m) vom Partner wegdreht, sich lang macht, also die Beine ganz durchstreckt, die Arme an den Körper anlegt und so sehr gut Vorwärtsfahrt macht. Siehe dieses Bild hier.
Natürlich müssen sich alle Beteiligten voneinander weg bewegen, sodass man bei einem Vierer und noch mehr bei einem "Bigway" oder einem Trackdive (s.o.) genau aufpassen muss: Beim Wegdrehen und auch beim Wegfliegen. Deshalb schaut man sich viel um und macht ggf. auch eine Fassrolle, bei der man sich um die eigene Körperachse dreht und zu prüfen, ob jemand ganz in meiner Nähe im toten Winkel ist. Vor dem Öffnen winkt man mit beiden Armen ganz deutlich (abwinken), sodass ein ggf. von mir nicht gesehener (oder nicht zu sehender), über mir befindlicher Springer das wahrnimmt und weiß, dass ich gleich öffne und entsprechend handeln kann.

Was bedeutet eigentlich das Wort "Manifest", was man auf manchen Sprungplätzen sieht?

Das kommt von den beiden Extremspringern Kalle Marx und Fritz Engels. Die meinten schon damals, dass alle Springer nichts zu verlieren haben als den Boden unter den Füßen und sich deshalb vereinigen müssen. ;-)
Im Manifest wird die gesamte für den Sprungbetrieb notwendige Organisation gebündelt und dort "manifestieren" sich die Springer; melden sich also für einen "Lift" (bzw. "Load")  an - ein Flugzeug, was die Springer dann in 4000m absetzt.

Ach und dann wollte ich noch wissen...

Wird noch beantwortet, aber für heute ist Schluss, ich mache das hier ja alles in meiner Freizeit. ;-)

Ich hätte da noch weitere Fragen...

Dann schreib sie mir einfach und ich nehme sie hier dann - samt Antwort - in die FAQ auf.


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© Carsten Kruse 16.12.2001
Letzte Änderung: 13.10.2009